Wein-Tipps


Weine vom Zürichsee – besser als ihr Ruf

„Think global, drink local“ – trotz Weltoffenheit Einheimisches trinken. Nichts beschreibt den positiven Wandel der Zürichseeweine der letzten 25 Jahre besser als dieser Slogan der Zürcher Weinproduzenten.
Die Weltoffenheit der Winzer verhalf dem Zürichseewein zu einer regelrechten Erneuerung. Zum Beispiel ist man am Zürichsee weg vom „Clevner“ hin zum Pinot Noir, dem französischen Ausdruck von Blauburgunder, gekommen. In unserer Region wird ein „Clevner“ mit einfachem Landwein assoziiert. Mit der Abkehr von diesem Ausdruck wird dem Konsumenten bewusst gemacht, dass kräftigere und elegantere Weine geschaffen werden. Möglich geworden ist dies durch eine strikte Selektion der richtigen Klone, der gezielten Ertragssteuerung, dem umfassenderen Verständnis eines ganzheitlichen Rebbaus mit gezielter Nützlingsförderung und flankierenden Massnahmen gegen Rebkrankheiten, erweitertem Wissen über die Vorgänge und Veränderungen chemischer, physikalischer und mikrobieller Art während der Weinbereitung und so fort. So sind die heutigen Pinot Noirs deutlich eleganter und kräftiger als noch vor 25 Jahren. Unter dem Druck auswärtiger guter Erzeuger war der qualitative Fortschritt unbedingt nötig.
Etliche Winzer am Zürichsee haben auf biologischen Weinbau umgestellt. Dies taten sie nicht nur einer naturverbundenen Philosophie wegen, sondern weil sie davon überzeugt sind, dass die Weine dadurch filigraner werden.
Auch die Weissweine haben sich verändert. Der Riesling x Sylvaner, korrekterweise heute Rivaner oder Müller-Thurgau genannt, wurde in den vergangenen Jahren von den Weinliebhabern zunehmend verschmäht. Sie fanden aus dem In- und Ausland genügend Alternativen für die oft kraftlosen und pappigen Weine mit penetrantem Aroma. Auch hier halfen neue Methoden: Die Säure wurde in der Weinbereitung erhalten, die Trauben weniger reif geerntet. Die neuen, frischen, mineralischen Typen finden wieder Anklang.
Zudem kehrte man an die Ursprünge des Weinbaus am Zürichsee zurück: Räuschling und Kerner sind weisse Liebhaberweine, die der Weinregion zum USP, dem unverwechselbaren Kennzeichen, verhelfen. Der Räuschling und der Zürichsee gehören zusammen wie Wädenswil und die Chilbi.
Dass nicht nur am rechten, sondern auch am linken Seeufer Weinbau betrieben wird, geht oft vergessen. Das mag daran liegen, dass die Weinberge in Wädenswil und auf der Halbinsel Au nicht privaten Winzern gehören, die um Werbung besorgt sein müssen, sondern von der Agroscope und der Hochschule ZHAW meist zu Versuchszwecken bewirtschaftet werden. Zudem sind sie vom See abgewandt und somit von Schiffsreisenden nicht zu sehen.
Gelegenheiten die Weine vom Zürichsee fast vollzählig zu probieren, sind der „Tag der offenen Weinkeller“ im Mai und der „Weinpavillon“ in Meilen im September.

Räuschling vom Zürisee

Veröffentlicht in der HGV-Zeitung, Juli 2013
Wie bei vielen landwirtschaftlichen Erzeugnissen führt die Massenproduktion und Globalisierung auch im Weinbau zu einer Verkleinerung der Sortenvielfalt. Vergleichsweise wenige Rebsorten dominieren den Markt: Chardonnay und Sauvignon blanc die weissen, Cabernet Sauvignon und Merlot die roten Weine. Diese vier internationalen Sorten sind in Anbau und Weinherstellung einfach zu handhaben, liefern gute Erträge und benötigen für ansprechende Weinqualitäten bedeutend weniger Arbeitsaufwand als zum Beispiel die Sorten Pinot Noir oder Riesling. Diese „big four“ sind deshalb weit verbreitet.
Die Sortenvielfalt der Rebe ist so immens wie bei keiner anderen Fruchtart! Mehrere tausend Sorten sind bekannt. Die meisten entstanden spontan durch natürliche Variationen und Mutationen und nur relativ wenige durch gezielte Züchtung. Noch sind bei weitem nicht alle Rebsorten dokumentiert, und von vielen decken erst jetzt Gentests die Herkunft auf. Allein in Italien sind um die 1000 Rebsorten registriert, und das sind noch lange nicht alle, die dort wachsen.
Wie erfrischend ist es angesichts des riesigen Sortenerbes, wenn sich eine Weinregion ihres Ursprungs (zurück-)besinnt und ihre eigene Rebsorte anbaut. So geschehen am Zürichsee mit dem Räuschling. Fast alle der 20 Hektaren, die in der Schweiz angebaut sind, stehen im Kanton Zürich und davon 12 Hektaren am Zürichsee.
Ist es das starke Rauschen seines kräftigen Laubes im Wind oder hat die berauschende Wirkung seines Weines den Namen „Räuschling“ geprägt? Dies bleibt im Dunkeln. Es scheint aber gesichert, dass die Rebsorte alt ist, im Süden Deutschlands weit verbreitet war und dann in die Schweiz gelangte. Der Räuschling ist der Walliser Rebsorte Heida sehr ähnlich. Beide stammen vom Traminer ab. Im 19. Jahrhundert war der Räuschling am Zürichsee die Hauptsorte, nachdem er den Elbling verdrängt hatte. In der Westschweiz fand er keine Verbreitung, weil er schnell unter Fäulnis leidet und die dortige, traditionelle Gobeleterziehung dies noch mehr fördert. Er ist im Anbau auch sonst schwierig, denn seine Erträge sind sehr unregelmässig, er verrieselt gerne, und seine Beeren platzen um die Reifezeit schnell auf, sobald es regnet.
Im letzten Jahrhundert musste der Räuschling fast vollständig dem Riesling x Sylvaner weichen. Der Trend zu sofort trinkbereiten Weine machte ihm fast den Garaus. Der Räuschling besitzt sehr viel Säure und ist dadurch lange haltbar. Die Sorte war fast ausgestorben, und nur noch eine Handvoll Winzer hielten ihr aus Liebhaberei die Treue. Heute jedoch erlebt sie eine Renaissance. Eigenständige Weine und Lokalkolorit sind wieder gefragt, und der Wein mit der eleganten und frischen Säure und der dezenten Frucht ist ein Kontrapunkt zum internationalen, gefälligen Stil. Mittlerweile übersteigt die Nachfrage das Angebot. Der Räuschling ist die Traumwahl zu einem guten „Züriseefisch“. Er mundet aber auch zu Poulet oder Kalbfleisch. Und wer sich nicht scheut, versucht sich mit einer Weincrème, die aus Räuschling zubereitet wird.

Rueda – der weisse Traum Spaniens

Veröffentlicht in der HGV-Zeitung, Juni 2013
Immer öfter werden Weine aus dem Anbaugebiet D.O. Rueda bei uns angeboten, was für deren Beliebtheit spricht. Die D.O. Rueda ist die wichtigste Appellation für Weisswein in Spanien. Das Anbaugebiet liegt im Duero-Tal westlich des berühmten Rotweingebietes Ribera del Duero.
Das Gebiet war früher unbedeutend und für sherryähnliche Weine bekannt, wie es damals so viele in Spanien gab. Der berühmte Riojaerzeuger  Marques de Riscal machte sich in den 1970er-Jahren auf, um Alternativen zum weissen Rioja zu finden, dessen Qualität ihn nicht zufrieden stellte. Er fand ideale Verhältnisse in Rueda und erkannte das Potential der autochthonen, also nur dort heimischen, Verdejo-Traube. Es ist sein Verdienst, diese Sorte wiederentdeckt zu haben. Er leitete damit vor 40 Jahren eine Revolution in Rueda ein.
Die weisse Verdejo-Traube ist hier die Hauptrebsorte. Ein weisser Rueda kann reinsortig sein und nur aus Verdejo bestehen, es dürfen aber auch Sauvignon blanc, Viura und Palomino enthalten sein. Im Ruedagebiet herrscht ein extremes Land-Klima: Die Winter sind sehr kalt, und die Sommer tagsüber sehr heiss. Die Rebberge sind mindestens auf 650 m über Meer angelegt und reichen an manchen Stellen bis auf 900 m hinauf. Nachts fallen die Temperaturen auch an heissen Tagen auf 12 Grad Celsius ab. Dies ist wichtig, damit sich der typische Säure- und Fruchtcharakter der Ruedaweine entwickeln kann.
Ein typischer weisser Rueda ist sehr aromatisch, frischfruchtig und dank guter Säure knackig. Sie sind elegant und wohl die besten Weissweine aus Spanien. In der Regel sind sie am besten, wenn sie innerhalb von zwei Jahren nach der Ernte getrunken werden. Die Nase eines jungen Rueda erinnert meistens an Stachelbeere. Hinzu kann sich ein feiner Duft von grünen Äpfeln, Pfirsich oder Mango gesellen. Nicht wenige Weintrinker werden beim Duft an einen frischen Sauvignon blanc erinnert.
Die Weine werden fast ausschliesslich in Stahltanks ausgebaut. Mit Eichenholz wird experimentiert, doch selten passt es auch. Eine Ausnahme ist Ossian Vides y Vinos, der wohl ungewöhnlichste Wein aus D.O. Ruedo. Es ist das ambitiöse Ziel des Begründers der Bodega, Aalto-Chef Javier Zaccagnini, den besten Weisswein des Landes im Stile eines Burgunders zu produzieren. Bereits mit Aalto im Ribera del Duero ist ihm ein Coup gelungen.
Doch dieser Weinstil ist für Rueda nicht typisch. Und erfreulich ist die Tatsache, dass auch ein guter Rueda erschwinglich ist. Er eignet sich hervorragend zum Apéritiv, aber auch zu Fischgerichten und vegetarischen Vorspeisen. Für bereits 15 Franken bekommt man einen tollen Wein von sehr guter Qualität, der nach meiner Erfahrung praktisch allen Gästen Freude bereitet.

Das Weinjahr beginnt mit dem Rebschnitt und Tränen

Veröffentlicht in der HGV-Zeitung, März 2013
Wer jetzt durch die Weinberge wandert stösst auf geschnittene und weinende Reben.
Die Rebe ist eine rankende Pflanze und kann sich überall hochschlängeln. Früher wurden die Reben häufig an Bäume gepflanzt, wo sie am Stamm Halt fanden. Heute findet sie ihn an Stickel und Drahtgerüst.
Die Rebe befindet sich ab Mitte Dezember in ihrer Winterruhe. Bis Ende Jahr muss sie in Ruhe gelassen werden, denn bis dahin lagert sie wichtige Reservestoffe in ihr Holz ein, die sie im folgenden Jahr für ein gesundes Wachstum braucht. Im Januar kann sie dann geschnitten werden.
Die Rebe wird im Rebberg „erzogen“. Es gibt unendlich viele Erziehungssysteme. Sie unterscheiden sich zum Beispiel im Stützsystem – Buschreben ohne Stickel, reiner Stickelanbau oder Drahtgerüste –, in der Stammhöhe der Rebe, im Standraum pro Rebstock und so weiter. Weil das Klima, der Boden, die Rebsorte und ihre Unterlage und die Topografie für das ideale Erziehungssystem massgebend sind, hat jede Weinregion ihre Tradition. Ein gepflegter Rebberg vermindert Krankheiten und die Arbeitszeit im Weinberg massgeblich. Unter Umständen ist ein hoher Grad an Mechanisierung möglich, die die Arbeitszeit deutlich vermindert und zu hohen Kosteneinsparungen führt.
Die Rebe muss gezähmt werden, denn sie wächst sonst ungebremst: Es gibt Hausreben, die die Fassade problemlos mit 200 Quadratmetern und mehr Laub bedecken können. Diese Fläche entspricht einem Tennisfeld!
Erziehungsart und Ertrag bestimmen, wie der Winzer die Rebe zurückschneidet. Der Rebschnitt im kultivierten Rebbau ist die erste Massnahme, um den Ertrag an Trauben festzulegen. Beim Rebschnitt wird die Pflanze verjüngt: Die Triebe des vergangenen Jahres werden bis auf einen abgeschnitten. Man schneidet von Hand oder mit pneumatischen Rebscheren und kann auch maschinell vorschneiden. Der belassene Trieb wird die neue tragende Rute. Aus dessen Knospen, im Fachjargon „Augen“, wachsen dann fruchtbare, Trauben tragende Triebe. Bei jeder Rebsorte ist bekannt, wie viele Trauben an jedem Trieb wachsen und wie gross diese werden. Damit kann man das Gewicht am Stock berechnen. Zusammen mit dem Standraum pro Pflanze berechnet der Winzer, auf viele Augen er den tragenden Trieb noch kürzen muss, um auf den gewünschten Ertrag zu kommen.
Bei der modernen Drahterziehung werden die Tragruten nach dem Schnitt in horizontaler Lage festgebunden. So fliessen die Säfte der erwachenden Rebe gleichmässig bis an die Triebenden, und auch die entfernten Augen treiben gut aus und tragen schöne Früchte. Der Saftstrom tritt etwa im März aus den Schnittstellen aus, und die Rebe weint. Pro Tag kann bis zu einem Liter fliessen. Dies ist das erste Zeichen, dass die Rebe aus ihrem Winterschlaf erwacht ist. Die eingelagerten Reservestoffe drängen zu unserer Freude ungeduldig in die Knospen, die aufbrechen, zu wachsen beginnen und uns im Herbst mit Trauben bereichern.

Weinempfehlungen zum Weihnachtsmahl

Veröffentlicht in der HGV-Zeitung, Dezember 2012
Die Schweizer lieben es bei der Wahl des Weihnachtsessens traditionell. Hoch im Kurs stehen Rauchlachs, Fondue Chinoise und Schinken im Brotteig. Welcher Wein soll zu diesen Schlemmereien ausgewählt werden?
Ich gestehe, ich bin Champagnerliebhaberin. Dieses Gewächs ist für mich die Favoritin zu Rauchlachs, an Weihnachten sowieso. Die Perlen und Kraft des Champagners sind mit Lachs zusammen einfach verführerisch.
Schinken im Brotteig ist wohl das schweizerischste Weihnachtsgericht. Da ist ein Schweizer Wein eine ausgemachte Sache. Zum Beispiel ein guter, kräftiger Pinot Noir aus Graubünden – tolle Produzenten gibt es dort mittlerweile zu Hauf – ein Humagne Rouge aus dem Wallis oder ein kräftiger Tessiner Merlot.
Fondue Chinoise gehört für die meisten Schweizer zu Weihnachten wie die Kugeln am Baum, wobei es nicht wenige geben soll, die es vor allem der Saucen wegen lieben. Eigentlich soll man zu stark gewürzten Saucen auch kräftige Weine nehmen. Trotzdem passen nicht nur Bordeauxwein – hauptsächlich aus Cabernet Sauvignon und Merlot bestehend – oder ein Brunello di Montalcino, das ist ein reinsortiger Sangiovesewein. Auch ein delikater Barbera oder Dolcetto (beides sind nicht nur Weinnamen, sondern auch die Traubensorten) aus Alba im Piemont sind standhaft.

Rot, rot, rot

Veröffentlicht in der HGV-Zeitung, September 2012
Mit dem Beginn der Jagdsaison wird es für Wildliebhaber höchste Zeit, sich mit einem Essensbegleiter auseinanderzusetzen. Soll man klassisch wählen oder Experimente wagen?
Am 3. September hat in Graubünden die Hochjagd begonnen. Sie dauert 3 Wochen. Zum Glück können wir im Erjagten aber noch Wochen darüber hinaus schlemmen. Die Wildsaison läutet die Herbstzeit ein: Die Gerichte werden wieder schwerer, an Weihnachten sind sie auf dem Höhepunkt ihres Gewichtes.
Es ist also höchste Zeit für Liebhaber der Jagdausbeute, sich passende Weine zuzulegen. Ich beschränke mich dabei auf Hirsch, Reh und Wildschwein.
Das Fleisch vom Wild ist dunkler als jenes vom Rind, seine Fasern sind dichter und dicker. Es ist eiweisshaltiger und hat dafür weniger Fett. Das Gewebe ist darum zäher, der Geschmack ausgeprägter. Klassische Begleiter sind rote Weine aus dem Burgund, aus Bordeaux und aus dem Piemont.
Hirsch und besonders Reh ist zart. Sie dürfen zu den Klassikern greifen. Es dürfen auch weniger teure Gewächse gewählt werden: Statt ein Barbaresco darf es auch ein Nebbiolo Langhe sein, statt ein Château Margaux ein Cru Bourgeois oder ein Haut-Médoc AC. Eine gute Wahl ist auch ein Barbera, ein Wein aus dem Priorat oder ein Dôle. Überhaupt sind Pinot Noirs aus der Schweiz eine tolle Wahl.
Wildschwein ist sehr intensiv in Aroma und Geschmack. Je älter das Tier ist umso stärker. Dieses Fleisch braucht die kräftigsten Weine, die es gibt, denn beide vermögen einander gegenseitig zu zähmen. Legen Sie sich dafür einen Syrah aus dem nördlichen Rhônetal zu, zum Beispiel einen Hermitage, oder Weine aus dem südlichen Rhônetal, wie einen Châteauneuf-du-Pape. Haben Sie einen reifen Top-Bordeaux oder Burgunder im Keller, dann ist das jetzt die Gelegenheit, ihn zu opfern. Wer die Weine gerne sehr üppig und rund mag, ist mit einem hochstehenden Syrah aus Australien gut beraten.
Greifen Sie bei Hirsch- oder Rehpfeffer zu Syrah, kräftigen Bordeauxweinen, einem Cabernet Sauvignon aus Kalifornien oder einem Tessiner Merlot mit Barriqueausbau.                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                    
Vielleicht fragen Sie sich, weshalb ich eher traditionelle Weine aufgeführt habe? Nun, Haarwild ist in Aroma und Geschmack so unverwechselbar, dass ich zu abgerundete Weine, zum Beispiel aus Süditalien oder Chile, unpassend finde. Sie vermögen den Gerichten nicht stand zu halten. Meinen Empfehlungen ist gemein, dass sie viele Tannine, mit guter Säure gepaart, besitzen und dem Wein eine besonders gute Struktur verleihen.





 

Als ehemalige Mehrkämpferin der Leichtathletik habe ich gelernt, mich auf das Wesentliche zu konzentrieren.